Bauartklasse und Bauzeit

Bauklasse

Die Einstufung in eine Bauartklasse durch die Versicherungsgesellschaft ist ein ganz entscheidender Faktor bei der Beitragserhebung. Die Einstufung in die Bauartklasse erfolgt überwiegend aufgrund der Bausubstanz und des Baumaterials. Sehr wichtig ist bei der Einstufung zudem die für die Immobilie gewählte Bedachung. Die Versicherungsgesellschaften nutzen hier nahezu die gleichen Maßstäbe, so dass eine einmal erfolgte Risikoeinstufung in Bezug auf die Bauartklasse kaum noch änderbar ist. Wer also mit seiner Immobilie eine gefährdungsintensive Bauartklasse zugewiesen bekommt, der muss sich ganz einfach damit abfinden und kann daran nicht mehr viel ändern. Für die Versicherungsgesellschaften sind einige Substanze und Bedachungen mit einem höheren Risiko der Beschädigung und Zerstörung verbunden, so dass der Beitrag dann mit einem Risikozuschlage zu entrichten ist.

Die Bauartklasse und die so erfolgte Einstufung ist nicht bei allen Versicherungspolicen im Bauwesen und Bauherrenbereich ausschlaggebend. Vielmehr bezieht sich diese Einstufung in erster Linie auf die Wohngebäudeversicherung. Die Einstufung der Risikoklasse bei der Wohngebäude oder Hausratversicherung mit Elementardeckung beruht nur teilweise auf der Bauartklasse. Beeinflussens ist zudem die Einstufung anhand des Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Hochwasser.

Die Definition der Bauartklasse und die zur Einstufung herangezogenen Faktoren sind durch die Versicherungsgesellschaften überwiegend einheitlich geregelt:

  • Bauartklasse 1 bei massiver Bauweise und einer harten Bedachung.
  • Bauartklasse 2 bei feuergefährlicherer Bauweise und einer harten Bedachung. Immobilien wie Fachwerkhäuser und Fertighäuser in Holzbauweise entfallen überwiegend in diese Gruppe.
  • Bauartklasse 3 für feuergefährliche Objekte mit einer harten Bedachung. Hierbei sind Fertighäuser aus Holz und Blockhäuser betroffen, wenn keine gleichzeitige feuerhemmende Ummantelung vorhanden ist. Ist dies der Fall, kann die Bauartklasse 2 in Frage kommen.
  • Bauartklasse 4 für alle Gebäude die in ihrer Substanz zwar den Bauartklassen 1 und 2 entsprechen, aber nicht über eine feste Bedachung verfügen. Dies betrifft alle Immobilien, deren Bedachung nicht ausschließlich aus Ziegel besteht. Als weiche Bedachung sind Holz, Stroh, Schilf oder aber Ried hinterlegt.
  • Bauartklasse 5 gilt für alle Gebäude, die in der Bauartklasse 3 eingestuft werden können und dabei gleichzeitig eine weiche Bedachung vorweisen. Die Bauartklasse 5 ist somit eine massive Anpassung der Gebäude aus Bauartklasse 3, wenn diese teilweise oder ganz mit weichen Materialien bedacht sind.

Bedeutung der Bauzeit und Übergang des Versicherungsschutzes

Die Bauzeit ist in erster Linie maßgeblich bei der Bauleistungsversicherung und der Feuerrohbauversicherung. Als Bauzeit ist laut den Versicherungen der Zeitraum definiert, bis zu dessen Ende das Gebäude nachts nicht bewohnt ist. Erst wenn das Gebäude nachts bewohnt wird, ist die klar definierte Bauzeit beendet. Die Rohbauversicherung kann bei zahlreichen Gesellschaften kombiniert mit der später benötigten Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Dann besteht der Schutz der Rohbauversicherung für die Phase der Bauzeit und geht dann nahtlos in eine Wohngebäudeversicherung mit Elementardeckung oder ohne diesen Einschluss über. Die Versicherungsgesellschaften geben hierbei eine maximale Bauzeit vor. Während dieser Zeit kann die Feuerrohbauversicherung oder Rohbauversicherung ohne Beitragserhebung geführt werden. Nur wenn die angegebene Bauzeit nicht ausreichend ist, erfolgt eine Beitragsberechnung. Dieses Vorgehen ist aber nur dann möglich, wenn die Versicherungsgesellschaft auch weiterhin der Versicherungsträger bleibt. Eine Überschreitung der Bauzeit muss umgehend der Versicherung gemeldet werden um hier den Versicherungsschutz durch die Rohbauversicherung so lange fortführen zu können, bis die Meldung über die Fertigstellung erfolgen kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem Übergang der Versicherungspolicen und dem veränderten Schutz bei der Bauherrenhaftpflichtversicherung und der später benötigten Grundstücksbesitzer-und Gebäudebesitzerhaftpflichtversicherung. Zudem ist während der gesamten Bauzeit erst einmal keine Öltankhaftpflichtversicherung nötig. Erst mit der Fertigstellung eines bewohnten Gebäudes und der endgültigen Nutzung muss dann die Versicherung geändert werden. Für die Bauzeit muss eine Bauherrenhaftpflichtversicherung bestehen. Ebenso benötigt es während der Bauzeit die Bauhelferunfallversicherung. Hierfür wiederum müssen die veranschlagte Bauzeit und der angestrebte Termin der Fertigstellung an die örtlich zugewiesene Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Für Sie als Versicherungsnehmer besteht immer die Verpflichtung, die gewählte Versicherungsgesellschaft und die Berufsgenossenschaft über die Bauzeit zu informieren. Sowohl eine Verlängerung der Bauzeit als auch eine Verkürzung müssen entsprechend gemeldet werden. Nur so kann die Bauphase mit dem passenden und vor allem ausreichenden Versicherungsschutz anhand des Fortschritts belegt werden.